Mittwoch, 10. Dezember 2014

Weiß nicht, wohin mit mir, weiß nicht mehr wer ich bin.
Morgen eine wichtige Arbeit, bei der ich die Themen nicht kann. Dann um 15 Uhr heim und in's Bett, am liebsten für immer schlafen. Sollte Dornröschen (eher Dorn als Röschen) irgendwann auch wieder aufwachen, wird sie einen langen Post schreiben, dieser Blog hat es nicht verdient, so vor sich hin zu vegetieren wie sie es tut.
Also, haltet die Äuglein offen und schickt mir bitte, bitte eine Ladung Energie, so ganz ohne Schlaf wird's selbst für mich etwas hart.
Aber ich hab ja ne neue Schachtel Zigaretten. (Guckt euch die zerstörerische Lebenseinstellung nicht von mir ab, falls ihr nicht auch so mondsüchtig seid.)
So viel kann ich euch verraten: Das Drama um das Kapitel Ausbildung hat sich alles andere als gelegt.
Ich glaube, ich werde nicht mehr schlafen, um kurz nach 5 müsste ich aufstehen, da bin ich fitter mit Null Stunden als mit Zwei. So aus Erfahrung gesprochen.
Ich werde morgen wieder Theater spielen müssen á la "Ich habe brav in der Schule ungesunde Scheiße in mich reingeschaufelt, genau wie die anderen Idioten", aber zurzeit glaubt mir irgendwie keiner mehr.
Ganz neu für mich, normalerweise haben die Menschen, die mir näher standen mich in Ruhe gelassen und sich ihren Teil gedacht. Ich mag diese neue Situation nicht, aber gebe mir Mühe, die Unwahrheit wenigstens so beiläufig wie möglich klingen zu lassen.
Werde mir morgen früh (ah ne, ist ja gar nicht mehr lang hin, in dreieinhalb Stunden fährt mein Zug, hach, was für eine nette Vorstellung!) am Bahngleis noch ein Red Bull zero reinkippen, mir egal dass ich dann wieder auf's Klo muss wie eine Irre.
Nachher, nachdem ich in den ersten beiden Stunden die beschissenste Arbeit ever hinter mich gebracht habe, werd ich noch in die Stadt gehen und Weihnachtsgeschenke für meine Eltern, sowie eventuell einen Schal für mich kaufen. Ah, und nen Liter Apfelschorle. Dann noch mal 2 Schulstunden am Pc abgammeln (hoffentlich schreiben wir da keine Arbeit, ich hab leider überhaupt keine Ahnung - und wer mich kennt, weiß, dass ab hier eigentlich langsam die Alarmglocken schrillen sollten. Whatever. Naja, so ein cool Kid bin ich jetzt auch nicht, aber das kümmert mich zurzeit irgendwie herzlich wenig. Interessant, ich weiß..) und danach noch 2 Schulstunden mit selbständigem Plakate bepinseln für einen Vortrag verbringen. Wenn der Vortrag jetzt schon wäre, wäre ich vermutlich nicht so gechillt, aber das ist erst im Januar. Also, weg aus meinen Gedanken!
Sollte ohne Schlaf irgendwie zu schaffen sein, also hoffe ich zumindest. Eine magische Uhr, mit der man die Zeit anhalten und zurückdrehen kann, hab ich leider noch nicht gefunden, ihr könnt mich ja informieren, falls ihr mal über so'n Ding stolpert. Ach, und die Funktion "Ich lasse mich als Zombie alle Aufgaben brav erfüllen, spule aber lieber mal 2 oder 3 Jahre vor" wäre auch sehr nach meinem Gusto.
Ich hoffe wirklich, dass sich meine kreativen Ergüsse (stellt sie euch bitte bunt vor, das wird sonst schnell zweideutig) bis heute Abend halten. Dann lösche ich auch diesen Laberpost hier.
So, wisst ihr was ich jetzt mache? Auf die Gefahr hin, den mega Anschiss zu kassieren geh ich jetzt zuerst auf's Klo, dann runter in den Keller, hol mir mein Red Bull zero, gehe dann auf die Terasse eine rauchen und genehmige mir dann wieder in meinem Zimmer das kalte Gesöff, was mich bis 6 Uhr hoffentlich aufputscht.
"Wieso Anschiss?" mag sich jetzt manch einer denken.. Tja! Wohnt ihr mal in einem alten Haus, in dem man keinen Schritt tun kann, ohne dass es sich so anhört, als würden sibirische Holzfäller rücksichtslos alles niedertrampeln. Kein Scheiß. So hört sich jeder Schritt in diesem Haus an.
Ich werd's jetzt riskieren, wünscht mir Glück bei meiner geheimen Mission.



Mittwoch, 2. Juli 2014

Drama "Hannah's Ausbildung", zweites Manuskript: Epilog

Mit festen Schritten laufe ich am Gleis entlang. Immer wieder kreuzen Menschen meinen Weg, die mir in verschiedene Richtungen ausweichen wollen, ich hasse es mich bei jedem, der mir begegnet, wieder neu einstellen zu müssen. Rechts oder links?
Irgendwann bin ich bei der Straßenbahn angekommen und steige in die erste die anhält, fahre eine Station und steige wieder aus. Ich gehe über die Straße in mein Lieblings-Selbstbedienungscafé. Ich stoße die Tür auf und mit mir fegt ein Windstoß durch die Tür herein. Es war ein Moment wie in einem Film, meine Haare wehen nach vorne und ich habe das Gefühl, die Zeit bleibt stehen.
Mein Blick ist klar, mein Kopf ist klar und es ist okay, unter so vielen Menschen zu sein.
Mit meinem schwarzen, viel zu süßen Kaffee in der einen (wer konnte auch ahnen, dass da nur 0,3ml rauskommen, wenn ich auf "Kaffee, groß" drücke, aber das merkte ich natürlich erst nachdem ich die 5 Süßstofftabs reingedrückt hatte) und eine Zigarette in der anderen Hand stehe ich an der Haltestelle und warte auf die richtige Straßenbahn. Als sie kommt, trete ich meine Zigarette aus und steige ein.
Es ist angenehm leer und niemand sitzt neben mir, nur gegenüber von mir sitzt eine mollige Frau, deren Mundwinkel nach unten hängen. Es gibt so viele Menschen, die böse schauen, wenn sie eigentlich nur Neutralität ausdrücken. Ich frage mich, wo sie wohl hinfährt.
Als ich an der Haltestelle bei meiner neuen Schule ankomme, habe ich das Gefühl, mein Herz würde zerbersten vor Aufregung und an meinem rechten Handgelenk bilden sich kleine rote Stressflecken. Hoffentlich denkt niemand, ich hätte Ausschlag.
Ich gehe die schöne, mit Kirschbäumen gesäumte Straße zur Schule entlang. Im Sommer ist hier alles rosa und wunderschön. Vor mir läuft ein Mädchen, das mir schon von hinten irgendwie bekannt vorkommt. Komisch.
Kurz vor der Schule bleibt sie stehen und dreht sich um. "Was, du hier?" sage ich erstaunt. "Was machst du hier?" mein Blick und meine Stimme strahlen Erstaunen aus. Ich bin total perplex.
"Hab so eine Infoveranstaltung hier.. Lerne wahrscheinlich meine Klasse kennen. Wie geht's dir?"
"Krass, fängst du auch dieses Jahr die Ausbildung an? Ich auch! Mir geht's gut und dir?"

..Ich möchte im Boden versinken. Die Worte meiner Mutter von vor etwa einem halben Jahr hallen in meinem Kopf nach wie ein schlechtes Echo. Sie hat auch Probleme mit dem Essen, Sie hat auch Probleme mit dem Essen, Sie hat auch Probleme mit dem Essen..
Nein, bitte sag mir dass das nicht wahr ist. 
Ich kenne sie seit meiner Geburt, wir haben als Kinder oft zusammen gespielt, uns aber irgendwann aus den Augen verloren. Jetzt werden wir wahrscheinlich in die gleiche Klasse gehen. Scheiße.
Da ist sie schon, die zweite essgestörte Person in unserer Klasse. Super.
Wir gehen in's Gebäude und ich versage im Smalltalk. Wir laufen eine Treppe hinunter, als wir eine Stimme hinter uns hören "kommen sie auch zur Infoveranstaltung?" wir drehen uns um.
Sie antwortet nicht, also übernehme ich den sozialen Part. "Ja, ist die nicht hier unten?" "Nein, da müssen sie wohl wieder hochkommen, ich zeige Ihnen den Weg" lacht die Sekretärin. Ich mag sie irgendwie. Ich mochte sie schon am Tag des Vorstellungsgesprächs, sie strahlt so eine unvoreingenommene Positivität aus, die ich schön finde.

Wir traben die Treppe wieder hinauf und da sehe ich ihn. Er steht mit einem anderen Mädchen neben der Sekretärin. Tunnel, eine Mütze, ein ärmelloses Oberteil. Er sieht aus, als würde er die Musik hören, die ich auch höre. Komisch, wie man gleich eine Verbindung fühlt, wenn man sich äußerlich in die selbe Schublade steckt. Das war wahrscheinlich nur von meiner Seite aus, aber wer weiß, ich habe meine Piercings offen getragen.
Als wir zum Raum kommen, in dem die Veranstaltung stattfinden soll, stehen schon einige Mädchen und Jungen davor. Man wirft schüchterne Blicke in die Runde, niemand redet, diese angespannte Stille, wenn noch nicht genau weiß, mit wem man die nächsten drei Jahre verbringen wird.
Es wird 2 Klassen à ca. 26 Schüler geben, eingeladen sind heute alle. Ich hoffe so, dass ich mit dem sympathischen Typ in eine Klasse komme. Ich hoffe es so!
Wir werden hereingebeten und in dem Raum proben noch ein paar Schüler Songs für ihre Abschlussfeier.. Sie sind alle sehr selbstbewusst und singen laut in's Mikrofon, obwohl wir alle schon im Raum sitzen. So selbstbewusst werde ich nie sein! Die Schwärze kommt schnell und unvorbereitet.
Ich frage sie, wo sie sitzen möchte. "Vorne?" Oh man.. Da sitze ich also, in der ersten Reihe, obwohl ich lieber die zweitletzte genommen hätte..
Viele kennen sich anscheinend schon untereinander. Fuck. Woher kennen die sich denn bitte?
Alles in allem ging die Veranstaltung eine Stunde und ich habe mit keinem geredet, außer mit dem Mädchen, was ich kenne. Genau deshalb hätte ich lieber gar keinen gekannt, so habe ich überhaupt keine neuen Kontakte knüpfen können..

Als wir rausgehen, frage ich sie, ob sie jetzt auch mit dem Zug heimfährt, weil wir in der selben Stadt wohnen. Sie bejaht und es ist unausgesprochen, dass wir zusammen heimfahren.
Sie möchte allerdings den Weg zum Bahnhof laufen, den ich lieber fahren würde. Ich weiß schon warum sie laufen will, jedenfalls vermute ich es zu wissen, so war ich auch mal.
Okay, die beiden Essgestörten laufen lieber als mit den anderen Straßenbahn zu fahren. Wunderbar.
Sie ist eine recht stille Person und so habe ich das Gefühl, als wir zuhause aus dem Zug steigen weiß sie sehr viel von mir, ich jedoch relativ wenig von ihr. Ich hasse das. Aber ich kann nicht einfach schweigen, wenn man sich noch ein wenig fremd ist, ich finde das so beklemmend. Also spiele ich das blühende Leben und laufe neben ihr her. Oh man..
Als wir unsere Heimatstadt erreichen und darauf warten, auszusteigen fällt mein Blick auf ihre rechte Hand. Sie ist Rechtshänderin, das weiß ich.
Frische Wunden und alte Narbenauf dem Zeige- und Mittelfingerknochen. Oh nein.
                                                   Trigger, Trigger, Trigger.

Wieso muss mir das passieren? Ich habe keine Antwort. Sie sagt noch "ich schreib dir dann im Facebook kurz bevor die Schule losgeht, können dann ja zusammen hinfahren." Ich zwinge mir ein Lächeln auf, bejahe und jeder geht wieder seiner Wege. Frühstücken Mitte September mit meiner neuen Klasse und der ersten Bulimikerin, die ich persönlich kenne. Ich kann mir schöneres vorstellen, aber das kann sich glaube ich jeder denken.

Zuhause angekommen überfallt mich wieder die Schwärze. Ich schrubbe mir meine Maske vom Gesicht, dunkle das Zimmer ab und weine. Ich weine und weine und kann es nicht stoppen. Mein Kissen ist nass, meine Decke ist nass. Ich sabbere auf mein Kissen. Alles egal. Wie lange hab ich schon nicht mehr so hemmungslos geheult?
Ist diese Ausbildung wirklich das richtige für mich? Werde ich über meinen Schatten springen? Werden wir in eine Klasse kommen? Ich hoffe es nicht. Sollte ich einfach mein Leben beenden? Ich krieg doch sowieso nichts auf die Kette. Schwarz, schwarz, schwarz überall. Einfach noch bis November warten, meinen Eltern einen schönen Geburtstag bereiten, alle nochmal fest drücken und dann weg. Ich weiß es nicht. So schlecht wie gestern Abend ging es mir schon lange nicht mehr.
Keine Zuversicht mehr, absoluter Nullpunkt.

Als mein Freund heimkommt, heule ich immer noch, bin total verrotzt und aufgequollen. Er öffnet die Schlafzimmertür und macht das Licht an. Ich ziehe mir die Decke über den Kopf.
Er muss doch sehen, dass es mir dreckig geht. "Licht aus!" ich flüstere fast.
Das Licht geht aus, die Tür geht zu. Kein Wort, kein "Was ist denn los?", niemand der sich an mein Bett setzt, wo ich es doch so gebraucht hätte. Wir haben gestern kein Wort mehr geredet. Ich weiß nicht was ich tun soll.
Zurück bleibt nur Ungewissheit. 

Montag, 30. Juni 2014

Marea ma trage în adâncuri

Die Flasche steht auf der Fensterbank, eiskaltes isotonisches Billiggesöff, 95 Kilokalorien pro Flasche.
Die Nacht vergeht schweigend, ich bekomme kaum ein Auge zu und trinke ab und zu wieder einen großen Schluck. Ich habe einen Brand, wie nach zu viel Alkohol, nur dass es dieses Mal vom Essen kommt.
Eine Schüssel Nougatcornflakes, 4 Backcamemberts, 2 Scheiben Vollkorntoast.
Wieso trinke ich kein Wasser?
Es ist Zeit, aufzustehen. Ich rolle mich müde aus dem Bett, trinke die Flasche leer und stelle mich auf die Waage. 1 Kilo mehr als gestern. Mir ist übel.
Ich bin alleine, mein Retter steht fest zementiert im anderen Badezimmer. Bewusst habe ich die Waage noch am Tag des Einzugs in das "Bad" ohne Toilette gestellt, was mich jetzt allerdings nicht davon abhält, das Badezimmer zu wechseln. Schnell ist das draußen, was davor noch drin war.
Mein Mund riecht nach Käse. Zähne putzen wäre jetzt schlecht, also spüle ich nur mit antibakterieller Mundspülung, wasche mir das gerötete Gesicht, ziehe mich an, lege Make-Up auf und glätte mir die mit Frizz verseuchten Haare.
Heute bin ich dumm wie schon lange nicht mehr. Das Essen war die ganze Nacht in meinem Bauch, mein Körper wird sich genug davon gegriffen haben, dass es keinen Unterschied mehr macht, aber doch fühlt es sich besser an, den Tag komplett leer zu beginnen.

Morgen muss ich alleine Zug und Straßenbahn fahren. Mein Gedanken ziehen große Kreise und ich fühle mich eigentlich nicht im Stande dazu, aber ich muss.
Heute Abend werde ich mich einem Ganzkörper-Pflegeprogramm unterziehen und meine Mutter kommt zum Haare färben vorbei, ich pack das nicht alleine.
Morgen Abend möchte ich genau so leer wie heute und voll mit positiven Überraschungsmomenten in mein Bett fallen und froh sein, es geschafft zu haben. Eins davon werde ich auf jeden Fall realisieren können..


Freitag, 27. Juni 2014

You never did, you never will

Normalerweise wüten in meinem Kopf heftige Wortgewalten. Es blitzt auf mich ein, gibt kurz Ruhe und dann folgt der bedrohliche, dunkle Donner, der mit seinem Groll immer näher kommt.
Es stellt meine inneren Frieden wieder her, wenn es so laut kracht, dass mir fast das Trommelfell platzt und eine Gänsehaut nach der anderen über meinen Körper jagt.
Ich führe Unterhaltungen mit mir. Manchmal lasse ich Meinungen von anderen mit einfließen, damit sich mein Kopf auch mit anderem als mit meiner eigenen Stimme beschäftigen kann.
Ich tue das den ganzen Tag, ich würde fast schon sagen, dass es mein Lebensinhalt ist.
Meistens auf Deutsch, manchmal auf Englisch, selten auf Italienisch. Es gibt mir Sicherheit, dass ich noch gut Englisch kann, ich bin vorbereitet, nur für den Fall.
Doch seit etwa einer Woche ist da kein Gewitter in mir drin. Es ist wie die gedeckte Helligkeit, wenn du morgens Zug fährst, vorbei an Feldern, die vollständig mit Nebel bedeckt sind. Der Nebel hängt auch in der Luft, egal wo du hinsiehst, du siehst den Weg nicht weiter als zehn Meter.
Ich sehe den Weg nicht mehr.
Unendliche Stille, die zwar nicht unangenehm ist, mich aber völlig ohne Wegweiser stehen lässt.
Es ist still geworden in meinem Kopf..